Qualität und Taschen

Eine Unterhaltung mit master-piece Japan


Text / Interview: Adrian Bianco 

Japan und Mode ist eine besondere Mischung. Zum Einen ist das Land der aufgehenden Sonne wegen seinen vielen Design-Legenden, Brands und der Liebe der Japaner zur weltweiten und vor allem zur amerikanischen Streetwear bekannt. Zum Anderen, sind die Japaner Meister darin, ein Qualitätslevel zu erreichen, das auf der ganzen Welt seinesgleichen sucht. Von Brands wie Bape, Neighbourhood, WTAPS und Namen wie Nigo und Hiroshi Fujiwara zu japanischer Handwerkskunst die Mode und Design immer wieder auf ein neues Level hebt. Eine Denim aus Japan ist, genauso wie ein Messer aus Japan, höchste Kunst. Das Auge zum Detail, das man im japanischen Handwerk findet, zieht sich durch das ganze Land und alle kulturellen und gesellschaftlichen Güter wie ein roter Faden.

Was im mitteleuropäischen Raum eine einfache Nudelsuppe ist, kochen und verfeinern die Japaner auf einem Level, das mehr mit Kunst als mit Küche zu tun hat. Wenn sich ein japanischer Meister einer Sache annimmt, dann meint er das ernst. Qualität, stetige Qualität und Verbesserung stehen im Fokus dieser Denkweise und Gewinn kommt meistens erst ganz am Ende. Etwas muss zuerst sehr gut sein, bis ein Shokunin – so nennen die Japaner die höchsten aller Meister – sein Produkt auf den Markt bringt, in eine Suppenschüssel füllt, in Kleiderregale ordnet oder einem Koch liebevoll in die Hand drückt. Ein Shokunin kann im Endeffekt alles machen, von Mode bis Essen – was zählt ist nur die Qualität und der Prozess.

In einer Mode-Welt die von Fast Fashion dominiert wird, in der Brand Logos über Qualität stehen und das, was du heute trägst, morgen schon wieder out sein kann, scheint dieser hohe Qualitätsansatz schon fast fehl am Platz. Alles ist schnelllebig und wer fragt heutzutage denn noch danach ob etwas übermorgen noch hält oder funktioniert? Doch so düster ist es natürlich auch nicht. Immer mehr Menschen fragen sich nach dem Sinn und Zweck und vor allem dem Impakt dieser schnellen und etliche Ressourcen verbrauchenden Modewelt. Warum nicht einfach mal für etwas mehr Geld ausgeben und es die nächsten Jahre noch besitzen? Und warum dann nicht gleich etwas, das »Made-in-Japan« auf dem Label aufgedruckt hat. Ja, warum eigentlich nicht?

Mit master-piece wollen wir euch heute deshalb eine besondere Marke vorstellen. Gegründet vor 25 Jahren, hat die japanische Marke den Shokunin Gedanken verinnerlicht wie fast keine andere. Taschen und Rucksäcke von master-piece sind auf einem anderen Level, was ihre Verarbeitung, die Liebe zum Detail sowie ihre Haltbarkeit anbelangt. »Made-in-Japan« eben. Gleichzeitig hat es sich die Marke zum Anlass gemacht, traditionelle japanische Handwerksarbeit zu würdigen, aber trotzdem ein Auge für kontemporäres Design zu bewahren. Tradition muss nicht immer alt und grau sein, zumindest nicht in Japan.

Um mehr über master-piece herauszufinden, ihren Weg als Marke, ihre eigene Fabrik und alles was »Made-in-Tokyo« für sie bedeutet, haben wir uns in Tokyo mit ihnen zusammengesetzt.

Bianco: master-piece und Japan – Könnt ihr uns bitte die Marke und ihre Geschichte vorstellen?

master-piece: master-piece wurde 1994 auf den Markt gebracht. Für unser 14. Jahr im Jahr 2008 haben wir beschlossen, eine eigene Fabrik »BASE OSAKA« zu bauen, um unsere Qualität zu verbessern und dem Mangel an Handwerkskunst in Japan entgegenzuwirken.

Bianco: Was macht master-piece zu einer japanischen Marke?

master-piece: Wir versuchen, eine Verbindung zwischen hochwertiger Produktion und Mode herzustellen. Wir sind stolz darauf, die beständigsten Produkte von höchster Qualität, hergestellt in Japan, zu liefern.

Bianco: Wie viel Shokunin-Geist steckt in master-piece?

master-piece: Der wichtigste Grund für uns, eine eigene Fabrik zu gründen, war, das traditionelle japanische Wissen für eine neue Generation zu erhalten. Unsere Produkte sind eine Fusion aus dem Shokunin-Geist und den Vorstellungen sowie dem Feingefühl eines jungen Handwerkerskünstlers.

Bianco: Japan ist weltberühmt für seine Handwerkskunst, sein Auge für Details und die einheimische Qualität. Woher kommt das eurer Meinung nach und wie viel davon können wir in master-piece Produkten finden?

master-piece: Wir haben ein Auge für Details, und es gibt viele Komponenten und kleine Teile an unseren Taschen, die wir selbst eigens nur für die jeweilige Tasche hergestellt haben.

Bianco: Gibt es Produkte, die die Marke am besten repräsentieren? Eine Tasche, die Markenzeichen ist und auf die ihr besonders stolz seid?

master-piece: POTENTIAL-V2, diese Tasche ist aus CORDURA-Nylon gefertigt und verwendet das gemeinsam mit INVISTA entwickelte Gewebe »MASTERTEX-07«. Neben dem Hauptstoff verfügt diese Serie über viele Details und Teile, die eigens hierfür entwickelt und hergestellt wurden.

Bianco: Wir leben gerade in einer sehr schnelllebigen Welt. Trends sind schnell und junge Menschen haben es schwer, sich länger als nur eine Saison an Produkte zu halten. Der nächste Trend wartet bereits und die Qualität geht in dieser Welt oft verloren. Was ist eurer Meinung nach notwendig, um diese neue Generation dazu zu inspirieren, nach mehr Qualität und weniger Quantität zu suchen?

master-piece: Es hängt alles von den Produkten ab, aber die Produkte, die man nicht nur »konsumiert«. Es ist wichtig, die Botschaft zu vermitteln, um eine Zuneigung zum Kern eines Produktes zu entwickeln und den Willen zu haben, es weiterhin zu nutzen. Diese Einstellung ist auch für einen ökologischen Blick auf die Mode entscheidend.

Bianco: Eure Produkte verbinden Design und Funktionalität. Eine Kombination, die erst kürzlich viel Aufmerksamkeit erregte, obwohl die Marke inzwischen 25 Jahre alt und sehr erfahren in dieser Art des Designs und Denkens ist. Was genau bedeutet also Funktionalität für euch?

master-piece: Funktionalität ist für uns Komfort und Benutzerfreundlichkeit in jeder Situation.

Bianco: In welchen Momenten des Lebens brauchen wir eurer Meinung nach Funktionalität? Für welche Momente sind master-piece Taschen gedacht?

master-piece: Wir haben zum Beispiel eine Serie mit einem speziellen Material namens »Master Tex« gemacht, das unerwarteten und starken Regenfällen widerstehen kann, die wir in den letzten Jahren in Japan mehrmals erlebt haben. Bis heute werden solche Taschen mit Hochfrequenzschweißtechnik hergestellt und wurden zuvor noch nie in den Alltag übernommen.

Bianco: Welches sind die Merkmale und Besonderheiten eurer Taschen aus den vergangenen 25 Jahren, auf die ihr am meisten stolz seid?

master-piece: Alle Designs entstammen unseren eigenen Entwürfen und wir bieten unseren Kunden einen Reparaturservice an, damit sie unsere Produkte so lange wie möglich tragen können.

Bianco: Die Technologie hat sich in den letzten 25 Jahren verändert, ebenso wie unser Leben. Welche Anpassungen musstet ihr bei eurem Taschendesign vornehmen, um mit der technischen Evolution und der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten?

master-piece: Heute ist die Funktionalität der Tasche nicht nur der Transport von Gegenständen, sondern auch die Art und Weise, wie sie getragen werden, ist vielfältig geworden. Wir produzieren multifunktionale Serien, die in verschiedenen Situationen eingesetzt werden können und stets Komfort bieten.

Bianco: Was ist die Geschichte hinter eurem »Konbu« Material und was macht es so einzigartig?

master-piece: Dieser Stoff wurde von INVISTA und KOMATU MATERE Co., LTD erfunden, und wir haben an der ersten kommerzialisierten Tasche mit diesem neuen Material gearbeitet, weltweit zum allerersten Mal. Der Stoff durchläuft ein spezielles Verfahren namens »KONBU-N«; es macht das Material weniger glänzend, bietet aber gleichzeitig eine Baumwolle mit einem neuen sensationellen Finish.

Bianco: Seit 2004 habt ihr eine eigene Fabrik, die »Base Osaka«. Was bedeutet das für eure Produkte?

master-piece: Designer und Handwerker arbeiten nebeneinander am selben Ort, das erleichtert die Kommunikation zwischen ihnen. Das hilft uns dabei, niemals aufzugeben, uns weiterzuentwickeln und weiterhin überzeugende Produkte hervorzubringen.

Bianco: Werfen wir einen Blick zurück – Was hat sich in den letzten 25 Jahren verändert? Was habt ihr verbessert, was habt ihr gelernt?  

master-piece: In diesen 25 Jahren ist der Männertaschenmarkt gewachsen. Der zunehmende Preiskampf hat alle getroffen und viele Unternehmen haben beschlossen, im Ausland zu produzieren. Aufgrund dieser Situation waren viele inländische Hersteller von einer schlechten Handelslage oder, im schlimmsten Fall, vom Konkurs betroffen. Unser Ziel ist es, das zu produzieren, was wir wirklich erschaffen wollen, aber vor Allem auch das technische Know-how Japans sowie den hiesigen Geist der Handwerkskunst in die Zukunft zu tragen. Deshalb haben wir eine eigene Fabrik gegründet und investieren in unsere persönliche Entwicklung.

Bianco: Was erwartet ihr von den nächsten 25 Jahren?

master-piece: In den nächsten 25 Jahren möchten wir unsere Marke und unsere Produkte mit Hlfe neuer Technologien und Anlagen weiterentwickeln und verbessern, wobei wir das bisher Gelernte niemals aus den Augen verlieren werden.

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